Flatrate-Saufen – Kein Alkohol ist auch keine Lösung
Saufen bis der Arzt kommt – ganze Generationen trinken Alkohol und finden es gut. Hysterisch diskutiert die Öffentlichkeit indes eine neue Jugendkultur: Flatrate-Saufen. Aber gab es das nicht schon immer? Chick und Chap haben eine Meinung dazu.
Also diese Sache mit dem Flatrate-Saufen ist wirklich schlimm. Man liest ja ständig davon: Jugendliche saufen sich ohne Ende ins Koma, manche sterben sogar davon! Das sollte man doch komplett verbieten! Wenn die Kids für jeden Drink ihre 5 Euro zahlen müssen, dann ist doch nach ein paar Gläsern automatisch Schluss! Und man muss ohnehin aufpassen, dass diese ganze Sauferei nicht Überhand nimmt in unserer Gesellschaft. An Karneval zum Beispiel. Da planen doch erwachsene Männer eine Woche im Voraus, dass sie sich weder am Donnerstag (Altweiber), noch am Freitag (Karnevals-Freitag), noch das Wochenende über und erst recht nicht am Montag (Rosenmontag) oder Dienstag (Karnevals-Dienstag) irgend etwas vornehmen können, weil sie diese Tage ja schließlich komplett durchsaufen müssen! Na kein Wunder, dass die Jugend einem solch schlechten Beispiel mit Flatrate-Saufen nacheifert. Für das bisschen Kohle, das die haben, wird man einfach nicht so blau wie der Papa beim Karneval. Da brauch man schon Flatrate, anders geht das doch gar nicht. Zum Glück sind die Frauen ja doch oft vernünftiger. Wenn die alkoholtechnisch auch so ungeniert Gas geben würden wie die Herren der Schöpfung, dann bliebe ja nur noch eins: Prost Deutschland!
Als ich noch zur Schule ging, waren Partys in der sogenannten Fronsmühle in einem kleinen und hässlichen Nest namens Merken schwer angesagt. Der Grund war denkbar einfach: 10 DM Eintritt – frei saufen! Cooles Konzept! Und funktioniert hat es auch. Ausnahmslos alle Leute, außer denen, die immer noch mit ihrem Kosmos-Baukasten Experimente an den Start brachten, standen in der Fronsmühle in Dreierreihen an der Theke und tranken, was das Zeug hielt. Grandiose Nächte waren das. Gestorben ist nie jemand. Stattdessen lernte man phantastische Frauen wie Renate T. oder Tanja F. kennen, die sich ebenfalls die Kante gaben.
Das Ganze hieß einfach nur „10 DM – frei saufen“. Heute heißt das: „Flatrate-Saufen“. Das passt besser in Schlagzeilen. Politiker und Moralapostel können sich künstlich über die Verrohung der Jugend aufregen und haben ein neues Wahlkampfthema. Alles Bullshit: Flatrate-Saufen gab es schon immer – hieß nur anders. Und was es auch schon immer gab, waren geistige Hammerwerfer, die nicht in die Fronsmühle kamen, sondern in Kneipen, die wir nicht kannten, 45 Tequilla tranken, sich anschließend prügelten und dann umfielen. Ob die gestorben sind weiß ich nicht. Ich kannte sie nicht und in der Zeitung stand auch nichts über die Typen.
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1. Kommentar von pulsinger
geschrieben am: November 21, 2008 @ 17:32
Chap hat Recht – dieses Konzept gibts schon ewig und es wird auch noch in 100 Jahren funktionieren. Der Fokus der Medien zielt ja hauptsächlich auf Schreckensmeldungen ab, in denen 12-jährige drei Flaschen Wodka exen und sich dann wundern warum sie gestorben sind… Soll heissen, dass das Modell “Zahle wenig – trinke viel” nicht daran Schuld ist, dass der Altersdurchschnitt der Alkoholkonsumenten stetig sinkt. Einlass in Clubs und Kneipen bzw. der Ausschank von Alkohol ist ab 18 legal, also ist es Sache der Wirte dafür zu sorgen, dass Sie keine Kids bewirten. Alle anderen tragen selber die Verantwortung – und fertig!