Bundes-Jogi mit glatter Wange
Der Bundestrainer ist eine Institution in Deutschland – wenigstens für die Männer im Lande. Nun wirbt Jogi Löw für NIVEA. Das Ende für den Fußball, so wie er im Kleinhirn vieler Männer existiert? Kein Dreck, kein Schlamm, kein feuchter Rasen mehr? Alles nur noch gepflegt und korrekt zu recht gebügelt. Chick und Chap haben da ganz unterschiedliche Ansichten.
Also ich fand dieses ganze Schweiß-Staub-und-Muskeln Gehabe der “echten Kerle” schon immer primitiv. Als wenn eine intelligente und moderne Frau darauf reinfällt und allen Ernstes glaubt, dass ein ungepflegter und übel riechender Kerl nicht etwa ein Hygieneproblem hat, sondern unheimlich potent ist. Besonders in Fußballkreisen – in denen harte Männer im herkömmlichen Sinne noch besonders viel zählen und das weibliche Geschlecht eigentlich nur als jubelnder und leicht bekleideter Zuschauer gern gesehen ist – ist man oft nach wie vor unbeirrt der Meinung, dass der Dreck zum Mann gehört wie der Arsch auf den Eimer.
Körperpflege ist Frauensache, so die landläufige Meinung dort. Umso mehr begrüße ich es, dass unser Bundestrainer jetzt endlich mal mit gutem Beispiel voran geht und in die Bresche springt für den modernen, gepflegten Mann von heute.
Mit seiner Werbung für die Pflegeserie von “Nivea for Men” zeigt Jogi, dass die Fußballjungs noch eine reale Chance haben, im Hier und Jetzt anzukommen und vielleicht auch mal ne Frau abzukriegen, die es nicht nur auf ihre Kohle und ein bisschen Publicity abgesehen hat. Jogi Löw scheint in der Tat so viel Standing bei seinen Fußballjungs zu haben, dass er sogar öffentlich zugeben kann, Pflegecremes zu benutzen. Und das, ohne gleich mit Pfiffen und den Rufen “schwule Tunte” vom Platz gejagt zu werden.
Es gibt also noch Hoffnung – sogar für die Jungs auf dem Rasen. Und nein – natürlich geht es beim Fußball nicht um gutes Aussehen und natürlich tun Körpergerüche der wahren Liebe erstmal keinen Abbruch. Aber wir Frauen freuen uns doch alle, wenn die Jungs auf dem Platz wenigstens gut aussehen (wenn schon im Fernsehen nichts anderes als Fußball kommt) und wenn man sich beim Date mit dem Traumprinzen nicht die Nase zuhalten oder das Parfümtaschentuch unter die Nase pressen muss. Danke Jogi!
Früher waren Fußball-Bundestrainer alte Herren mit Flanell-Schirmmützen, karierten Golfer-Hosen oder mindestens vergoldeten Brillengestellen. Selbst als Franz Beckenbauer über den Rasen von Rom stolzierte, tat er das modisch eher zugeknöpft – von Berti Vogts ganz zu schweigen.
Diese Zeiten gingen mit Jürgen Klinsmann glücklicherweise zu Ende – auf einmal war das Trainergespann des DFB in Strenesse gekleidet und sah nicht mehr peinlich, sondern teilweise gar elegant aus. Joachim Löw führte diesen eigentlich erfreulichen Trend konsequent fort und wurde vom Boulevard sogar als coolster Bundestrainer überhaupt gefeiert.
Doch jetzt mutet der gute Jogi Löw uns Männern ein bisschen viel zu. Denn ab sofort läuft unser Bundestrainer – nach Hugh Hefner immerhin der wichtigste Mann des Planeten – als „Nivea-for-men“-Pflegecoach über die Fußballplätze dieser Welt.
Also – nichts für ungut meine Herren, aber: Das Spiel heißt immer noch Fußball! Da wird auf den Rasen gerotzt – und zwar von unrasierten Typen, die nun wirklich erst an Gesichtscreme denken, wenn der Drops gelutscht und die Messe gelesen ist. Schlimm genug, dass im Jahr 2011 schon die Frauen ihre eigene Weltmeisterschaft in Deutschland austragen dürfen, aber jetzt auch noch ein Bundestrainer, der sich tiefenreinigendes Peeling auf die Hüften schmiert und seine Augenpartie revitalisierend konserviert.
Furchtbar – der Fußball und seine Hauptdarsteller wird als Werbeträger für Pflegeartikel vereinnahmt. Klar – selbst Uwe Seeler pfiff einst für Hattrick, aber das Zeug hat wenigstens nach alter Väter Sitte gestunken. Und das Schlimmste: So etwas machen Marketing-Experten nicht einfach so.
Soll heißen: Einschlägige Marktforschungsergebnisse haben Fußball-Fans als Zielgruppe für eben solche Artikel erkannt. Arrggghhh. Das ist das Ende! Die Mädels wird es freuen, denn sie erobern eine Welt, in der man sich bald auch darauf verlassen kann, dass Kerle selbst vom Fußballplatz nach Hause kommen und nach Aloe Vera duften und nicht wie früher nach Gras und Kreide. Danke Jogi!
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