Das Lichtspielhaus als Beziehungskino


Während Frauen sich auf den schönen Beziehungsabend im Programmkino freuen, kann es vielen Männern in ihrem Blockbuster nicht heftig genug zugehen. Eine geschlechterspezifische Angelegenheit, die funktionierende Beziehungen auf eine mächtige Zerreißprobe stellt und eventuell mögliche Romanzen gar nicht erst entstehen lässt. Fraglos ein gehöriges Dilemma! Was sagen Chick und Chap dazu?

Chick: Programmkino ist kuscheliger
Neulich war ich endlich mal wieder im Kino. “Ein fliehendes Pferd” hieß der Film, den ich mir ausgeguckt hatte. So was kriegt man natürlich nur im Programmkino, klar. Aber egal. Schließlich sind diese kleinen Kinos sowieso viel kuscheliger und persönlicher als der ganze Filmpalast-XXL-Kinopolis-Scheiß. Und wen stört es da schon, dass die Leinwand in etwa so groß ist wie mein eigener Fernseher! Hauptsache der Film stimmt. Und der stimmte mal wieder zu 100%. Witz und Skurrilität fantastisch vereint. Überraschende Wendungen, tolle Bilder und keine Minute Langeweile. Das ist Unterhaltung auf hohem Niveau! Genauso wie der tolle spanische Film “Dunkelblau fast schwarz”, den ich vor einiger Zeit gesehen habe. Im Programmkino natürlich, is klar. Das war auch ein klasse Kino-Abend.

Die armen Wichte, die sich da so eine Scheiße wie “I am Legend” oder “Saw” im Blockbuster-Kino reinziehen und dann auch noch meinen, sie hätten einen tollen Film gesehen und einen grandiosen Kino-Abend gehabt. Dabei ist das doch alles nur gewaltverherrlichender amerikanisierter Hollywood-Quatsch, bei dem man vorher sein Hirn am besten gleich an der Garderobe abgibt. Oder?

Chap: Erst Blockbuster – dann den Bob in die Bahn
Mein letzter Film in einem Programmkino ist schon etwas her. Es war ein Tipp der besten Freundin meiner Frau. Spätestens da hätte ich misstrauisch werden müssen. Klarer Fall von „Selber schuld“. Der Film jedenfalls hieß: „In the mood of love“. Ein authentische Beschreibung der chinesischen Gesellschaft und der Zwänge in denen sich die Menschen dort wohl befänden – sagte die Freundin meiner Frau. Spätestens jetzt hätte ich wirklich misstrauisch werden müssen. In dem Streifen passierte original gar nichts – außer, dass sich die beiden Protagonisten Herr Wang und Frau Seng täglich auf dem Weg zur Arbeit begegneten und sich geheimnisvoll grüßten. „Herr Wang,“ sagte dann Frau Seng. „Frau Seng,“ antwortete Herr Wang – endlos! DAS war der Film! Völlig schräg!

In der Reihe vor uns saß ein Typ mit schlechten Klamotten und Spitzbart und meinte zu seiner Sitznachbarin, bei der er mit Sicherheit bis heute noch nicht den Bob in die Bahn gebracht hat: „Das ist so gut – diese Dichte in den Bildern.“ Und genau das ist es, was Programm-Kinos sind: Sammelbecken für Typen, die nicht an den Start kommen, weil sie ständig versuchen mit scheinbar weisen Bemerkungen irgendwann ihre Öko-Tussis in die Kiste zu kriegen, es aber nie schaffen.

Sollen die ruhig weiter machen. Scheißt der Hund drauf. Ich schaue mir weiter Filme wie „I am Legend“ mit einem verdammt coolen Will Smith an. Und freue mich darüber, wie er Aliens abknallt, die wie Kängurus aussehen und vergesse den Inhalt schnell wieder, wenn ich später den Delphin eintauche. Lang leben die Blockbuster!

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