“Bratwurst oder Bockwurst” – die schicksalsträchtige, alles entscheidende Frage


Es ist die erste brisante Frage am Spieltag, schon im Auto wird sie zum ersten Mal kontrovers verhandelt – die Frage nach der Stadionwurst: „Bratwurst oder Bockwurst, was nimmst Du?“ Meist wird sie von hinten nach vorne, also von der Rückbank in die Fahrerposition, gestellt. Egal, wer der erste ist, der sich sie zu fragen traut – wichtig ist, dass es möglichst beiläufig klingt. Klar, das Pfeifen im Walde! An der Antwort hängt schließlich nicht selten Sieg oder Niederlage.

“Bratwurst oder Bockwurst” – ist das letzten Endes wirklich die schicksalsträchtige, alles entscheidende Frage, wenn es darum geht, welche Mannschaft das Fußballstadion als Sieger verlassen wird? Chick und Chap haben da verschiedene Ansichten.

Chick: Auge um Auge – Wurst um Wurst

Beim Fußball geht es um die Wurst. Und das verstehen wir Frauen nicht. Dabei drängt sich der Kausalzusammenhang zwischen Wurstverzehr und Spielausgang doch unwillkürlich auf, denn: Wurde eine Bockwurst gegessen und die “richtige” Mannschaft verliert, dann hätte Mann sich wirklich besser im Vorfeld für die Bratwurst entscheiden sollen. Oder zumindest in der Halbzeit – als noch was zu retten war.

Dass die meisten Frauen keine Ahnung von Fußball haben, lass ich mir ja noch gefallen (auch wenn das eine ganze Reihe weiblicher Fans sicherlich brüskiert). Aber diese Wurst-Nummer, die ist einfach lächerlich. Ja gut, der Mensch liebt und braucht seine Rituale. Aber muss man sich denn so schonungslos selbst verarschen?

Muss man die banalsten Zufälligkeiten auf Biegen und Brechen zu Ursache und Wirkung erklären? Die Jungs meinen: man muss. Dann will ich aber auch bitte nichts Abfälliges mehr hören, wenn ich montags morgens im Büro die astrologischen Schwingungen zum Besten gebe, die im Wochenverlauf auf jeden Kollegen gemäß seines Geburtsdatums, -zeit und –ort auf ihn wirken werden.

Und die Sache mit dem Handlesen wird zukünftig dann bitte auch ernst genommen. So ein bisschen Astrologie würde dem ganzen Fanblock sowieso gut tun. Wer weiß, vielleicht hätte er dann ein bisschen mehr Vorabinfo und müsste sich die schlechten Spiele dann gar nicht im Stadion ansehen. Und könnte endlich Vegetarier werden.

Chap: Ohne Stadionwurst gehts nicht
Wer beim trostlosen 0:0 vor zwei Wochen eine Bockwurst gegessen hat, wird den Teufel tun und an der Würstchenbude des allgemeinen Vertrauens eben die zu ordern. Andererseits: Bei Bratwurst und ähnlicher Witterung wie heute setzte es schon mal eine bittere Niederlage – damals vor dreieinhalb Jahren. Wer will das schon riskieren?

Stoff für Legenden phantastischster Art – mindestens bis zum Parkplatz. Doch wie kontrovers es auch zur Sache geht, die Entscheidung fällt schließlich immer einmütig und wird von allen getragen – viel zu groß ist die Vorfreude auf das Ritual des Verzehrs. Jeder Biss wird zelebriert und in den kurzen Esspausen die Aufstellung für die kommenden 90 Minuten zerlegt – die Stadionzeitung in der Gesäßtasche geparkt. Erst danach ist der Weg zu den Rängen überwindbar, kann man dem Spielfeld ins Auge sehen, ist man für große Nachmittage oder Abende bereit.

Problem: Dieses komplizierte Geflecht um Sieg und Niederlage einer Frau zu erklären, ist ungefähr so einfach wie Alice Schwarzer mit auf´s Hotelzimmer eines „59,- Euro-die-Nacht-Tagungshotel“ zu nehmen. Aber das ist am Ende auch total egal, denn weder Alice Schwarzer noch sonst eine Tussie hat die Jungs jemals spielen – geschweige denn gewinnen oder verlieren – sehen.
Ich schon und ich will warten, wer zuerst die Stadionwurst-Frage stellt, sie manchmal gar selbst stellen. Ich will, verdammt noch mal, die Stadionzeitung in die rechte Gesäßtasche stecken, damit ich die Wurst vernünftig halten kann. Ich will sie der Länge nach unter dem Senfspender entlang ziehen und erst dann auf alles vorbereitet meinen Platz im Stadion einnehmen. Alles andere ist mit mir nicht zu machen! Mir doch völlig egal, wer das versteht und wer nicht.

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1 Kommentar bis jetzt »

  1. 1. Kommentar von Name

    geschrieben am: Februar 12, 2009 @ 11:18

    Hallo und guten Tag,

    dass ist eines der schönsten kontroversen Gespräche, das ich seit langem gelesen habe!
    Ich bin begeisteter Fußballfan und muss gestehen, dass ich noch nie ein Gespräch über die Bratwurst geführt habe.
    Ich gebe dem weiblichen Part auf jeden Fall Recht, dass die Grenze des Rationalen, an der Stelle defintiv überschritten wurde.
    Ferner behaupte ich, dass es absolut legitim ist, wenn die Frau, am Montagmorgen ihre astrologischen Fähigkeiten zum Ausdruck bringt- schließlich redet sie das “Gebrabbel” der Männer, bezüglich der Bratwurst, auch nicht schlecht!
    Es ist das älteste Klischee der Welt, wenn es darum geht, einer Frau zu erklären, worum es in diesem komplizierten Geflecht um Sieg und Niederlage geht!

    Also liebe Fussballfreunde: “Macht die Frauen nicht schlecht”- Ich habe genug weibliche “Fans” in meinem Freundeskreis, die euch locker das Wasser reichen können. Allerdings denke ich, dass Ihr den Frauen das Wasser reichen müsst, wenn sie mit Ihrem geballten Fussballwissen ein Exempel statuieren!

    Glück Auf!

    Danke

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